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Auf den folgenden Seiten berichten wir über zwei Veranstaltungen anlässlich des 100. Geburtstages von Emil Carlebach.
Am 10. Juli 1914 wurde Emil Carlebach in Frankfurt am Main in einer bürgerlichen, jüdischen Familie geboren. Er besuchte die Samson-Raphael-Hirsch-Realschule und später die Klinger-Oberrealschule. Hier absolvierte er das Abitur und begann im Mai 1932 eine Lehre in einer Frankfurter Ledergroßhandlung. Am gleichen Tag trat er in den Zentralverband der Angestellten (ZdA) ein, noch 1931 war er Mitglied im Kommunistischen Jugendverband Deutschlands (KJVD) geworden. Am 11. Januar 1934 wurde Emil Carlebach wegen der Herstellung und Verbreitung antifaschistischer Zeitungen zu drei Jahren Gefängnis verurteilt. Nach der regulären Haft in verschiedenen Gefängnissen wurde er 1937 in das Konzentrationslager Dachau verbracht und war ab 1938 bis zur Selbstbefreiung des KZ in Buchenwald inhaftiert...
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100. Geburtstag Emil Carlebachs
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Eine Veranstaltung der DKP Frankfurt
Samstag, 17.Mai 2014, Beginn 18.00 Uhr, DGB-Haus Frankfurt am Main Die DKP Frankfurt und die DKP Hessen haben am 17. Mai 2014 anlässlich des 100. Geburtstages von Emil seiner gedacht und zwar intensiv, würdig, so, wie es Emil gefallen hätte – unterstützt durch Beiträge von Georg Fülberth, Kultur mit Erich Schaffner und Videoaufzeichnungen von Emil selbst. Der Einladung folgten viele Menschen; der Saal war voll im Geschwerkschaftshaus.
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17. Mai 2014
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Eine Veranstaltung der DKP Frankfurt
Seinem Referat (klicken Sie hier, um es nachzulesen) gab Georg Fülberth den Titel „Die vier Leben des Emil Carlebach“. Sein Vortrag war grandios, es war nicht zu überhören, er sprach mit Empathie. Diese vier Leben des Emil Carlebach waren: Erstens: Das Zeitalter der Katastrophen 1914-1945, klar. Für Emil ab 1933 ein Leben, welches nur wenige Wochen Freiheit bedeutete. Kann sich das jemand vorstellen, vom 19. Lebensjahr bis zum 31. in Zuchthaus, KZ Dachau, in SS-Kellern, bis zur Selbstbefreiung im KZ Buchenwald?
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Eine Veranstaltung der DKP Frankfurt
Dann aber kamen, zweitens, kurze Jahre des Neubeginns und der Hoffnung, 1945-1947. Dieses, sein zweites Leben war  voller Optimismus, voll Tatendrang; Wiederaufbau, Demokratie, die Chance, die Wurzeln des Faschismus endgültig zu beseitigen. Carlebach erhielt die Lizenz, eine freie, demokratische und (von ihren Journalisten) selbstbestimmte Zeitung heraus- zugeben, die Frankfurter Rundschau. Dieses Leben währte gerade mal zwei Jahre. Er wurde aus dem Herausgeberkreis der Frankfurter Rundschau rausgeschmissen. Ob auf Betreiben von Karl Gerold bleibt ungeklärt; er hat’s nicht verhindert... 
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Eine Veranstaltung der DKP Frankfurt
Darauf folgte – drittens – für Emil Carlebach nicht ein goldenes Zeitalter, sondern der Kalte Krieg. Dieser Kalte Krieg bestimmte fortan alles in dessem Leben, er hat für Emil Carlebach bis 1991 nie aufgehört, die Entspannung war für ihn nur ein zeitweiliger Formwechsel des Kalten Kriegs. Es beinhaltete den Kampf gegen Remilitarisierung, gegen Neofaschismus, gegen die Wölfe im Schafspelz, die alten Nazis, die nun die Demokraten mimten. Wen Emil im Visier hatte, hatte keine Chance. Seine Sprache war brillant, messerscharf, verständlich, eingängig. Dank dieses Talents war er über viele Jahre Chefredakteur der antifaschistischen Wochen- zeitung Die Tat. Ein Verlust, dass es diese Zeitung nicht mehr gibt. Fülberth beschreibt, wie er Emil, besser dieser ihn kennergelernt hat, im Krach. In der - für Kommunisten - schweren Zeit der Jahre 1989 bis 1991 kamen sie sich nahe.
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Eine Veranstaltung der DKP Frankfurt
Und dann, viertens, kam die neue globale Alleinherrschaft des Kapitals, die ihn, Emil Carlebach, hellwach und auf dem Posten antraf. Dieses vierte Leben währte bis zu seinem Tode. Die letzten Jahre seines Lebens widmete sich Emil intensiv, leidenschaftlich, ja liebevoll der Jugend, Schülern, denen, denen die Zukunft gehört. Carlebach berichtete - ohne Anklage - nüchtern, kalt, klar, für jeden, auch und gerade für Jugendliche verständlich über die finsterste Zeit deutscher Geschichte. (Hupps das bin jetzt ich, nicht Georg Fülberth).
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Eine Veranstaltung der DKP Frankfurt
Es folgten zwei Filmclips, der eine zeigt Emil in der Gedenk- stätte des ehemaligen KZ-Buchenwald, wie er berichtet, was geschah, was ihm geschah und seinem Vater - der gebrach und starb dort unter ungeklärter Ursache - unter der terroristischen Herrschaft der SS bis zur Selbst- befreiung. Der andere zeigt Emil vor dem Gebäude der Frankfurter Rundschau, erzählend über seine Zeit als einer der ersten Lizenznehmer einer freien Zeitung nach dem Kriege, bis hin zu seinem Rauswurf. Zwei Ereignisse, die sein Leben geprägt hatten. Diese Clips nehmen mit, rühren auf, lassen Gefühle hochkommen, die Carlebach nie gezeigt hatte, aber hatte, bestimmt!
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Eine Veranstaltung der DKP Frankfurt
Dann kam - wie es sich für eine kommunistische Partei geziemt - die Kultur: Erich Schaffner, begleitet von Georg Klemp am Klavier. Schaffner verfügt über ein großartiges Repertoire an antifaschistischen, antimilitaristischen und kommunistischen Autoren. Brecht, Mühsam, Tucholski, um nur einige zu nennen. Er kennt die Autoren, er trägt sie authentisch vor. Seine Rezitation wird Emils erstem und zweitem Leben gerecht. Da bleibt Erich Schaffner stehen, die Zeiten der Bundesrepublik und des “wiedervereinten” Deutschlands gehören nicht zu Schaffners Repertoire. Schade eigentlich. Im klickpunkt-blog hat E. Schaffner sich - berechtigt - “gewehrt”. Hier geht’s zum Gedicht “Fragen eines jungen Bundesbürgers” von Emil Carlebach.
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Eine Veranstaltung der DKP Frankfurt
Bruni Freyeisen, die Kommunistin schlechthin in Frankfurt, be- dankte sich abschließend bei allen, die den Abend gestaltet hatten. Sie - ja, wie soll man’s nennen - beschwor, versprach, bat, appellierte. Wenn uns das Leben Emil Carlebachs etwas sagt, so dieses, lebt euer Leben bewußt, klassenbewußt, schaut, wer euch einwickeln will, denkt an die Worte Emil Carlebachs.” Sie zitierte den Schwur von Buchenwald. Ja, warum auch soll man neue Sätze erfinden, wenn doch die alten schon alles sagen: “Wir stellen den Kampf erst ein, wenn auch der letzte Schuldige vor den Richtern der Völker steht! Die Vernichtung des Nazismus mit seinen Wurzeln ist unsere Losung, der Aufbau einer neuen Welt des Friedens und der Freiheit ist unser Ziel. Das sind wir unseren gemordeten Kameraden, ihren Angehörigen schuldig.” “Das sind wir Emil schuldig”, schloss Bruni die Veranstaltung.
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Eine Veranstaltung der DKP Frankfurt
Geschlossen haben die Teilnehmer dieser wunderbaren Geburtstagsfeier diese mit der Internationalen: “In Stadt und Land, ihr Arbeitsleute, wir sind die stärkste der Partei'n. Die Müßiggänger schiebt beiseite! Diese Welt muss unser sein; Unser Blut sei nicht mehr der Raben, Nicht der mächt'gen Geier Fraß! Erst wenn wir sie vertrieben haben dann scheint die Sonn' ohn' Unterlass! |: Völker, hört die Signale! Auf zum letzten Gefecht! Die Internationale erkämpft das Menschenrecht. :|” Damit schloss diese Veranstaltung. Weitere folgen. Sehens- und besuchenswert war auf alle Fälle auch die Geburtstagsfeier, die der Emil-Carlebach-Club austrug. Unseren Bericht lesen Sie hier..
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Matinée: Geburtstagsveranstaltung Sonntag, 13. Juli 2014, 11:00 Uhr, Haus Gallus, Frankenallee, Frankfurt am Main Kommunist, Journalist, Politiker - Vater, Freund und Zeitzeuge Eine Veranstaltung des emil carlebach clubs, unterstützt vom Studienkreis Deutscher Widerstand und der GEW Frankfurt
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Feier des 100. Geburtstages von Emil Carlebach
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13. Juli 2014
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Es ist kaum möglich, alle Facetten Emil Carlebachs zu beleuchten. Am 13.07.2014 hat zu Ehren des 100. Geburtstages von Emil Carlebach eine Matinée stattfgefunden, die Freunde und Weggefährten zu Wort kommen ließ, Filmmaterial und Musik sprechen ließen und mit szenischen Darbietungen eine umfangreiche und gelungene Veranstaltung war! Mitwirkende waren unter anderem Erich Schaffner und Ulrich Schneider. 
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Das hätte ihm gefallen. Eine wahrhaft opulente Veran- staltung. Politik, Geschichte, Theater, Musik, Rückblick, Lehren, Perspektiven. Alles reingepackt in eine Veran- staltung. Von wegen Matinée! Bis in den frühen Nachmittag ging’s hinein. Keine trockene, langweilige Minute. Spannung pur. Gut, vielleicht hätte er gesagt, „Kinder überzieht es nicht!“. Das wäre aus seinem Munde schon ein großes Lob gewesen. Und er hätt’s gewiss auch so gemeint.
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Schon die Eröffnung durch Cora Mohr (Studienkreis Deutscher Widerstand), die erzählt, wie sie ihn kennergelernt hatte. Sehr persönlich, dadurch authentisch, trotzdem, ach was, deswegen, politisch. Schon ist sie im Thema drin: Wir gedenken ihm nicht nur, wir erinnern uns, indem wir uns erinnern, erinnern wir uns daran, was er uns lehren wollte. Nein, er hat uns gelehrt. Der Frankfurter Oberbürgermeister Peter Feldmann ist der Einladung der Veranstalter gefolgt. Sein Grußwort strahlte Respekt vor seinemLeben aus. Respekt und Dank an den OB.
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Erich Schaffner und Theaterkollektiv. Ein Haufen Leute auf der Bühne, Bühnenbild spärlich: ein Tisch, drei Stühle. Sie stellen sein Leben dar, von der Kindheit bis zur Inhaftierung in Dachau. Kurze, knackige Szenen. Zum Beispiel: „Emil, es ist Zeit, dass Du in den Jugendverband eintrittst!“. „Ja.“ Szenenende. Das Beeindruckende bei dieser szenischen Darstellung: Schauspieler und Rollen wechseln mit jeder Szene. Der Effekt, der Zuschauer konzentriert, was sag ich, fokussiert  sich auf den Text. Das hätte ihm gefallen. Gut, vielleicht hätte er gesagt, „etwas kürzer und weniger über mich ginge auch“, Das wäre schon wieder eines seiner knorrigen Lobe gewesen.
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Uli Schneider hält die Laudatio. Er bestätigt in seinem ersten Teil die Wahrhaftigkeit der szenischen Darstellung. Klar steht es ihm qua Beruf und qua Funktion zu, sein Leben zu skizzieren. Da wurde deutlich, nach seiner Befreiung 1945 hat er sein gesamtes Leben – mit Haut und Haar, mit Herz und Verstand – in den Dienst der einen Sache gestellt, die Erfüllung des Schwurs von Buchenwald. Und da hatte er viel zu tun. Und wir auch noch! Wenn wir denn gelernt haben, was er uns gelehrt hat! So hatte er Funktionen im Kommunistischen Jugendverband FDJ, in seiner Partei, der KPD und der DKP. Er war maßgeblich mitbeteiligt an der Gründung deutscher und internationaler antifaschistischer Organisationen, angefangen bei der VVN, über die Lagergemeinschaft Buchenwald bis zur FIR, der internationalen Vereinigung der Widerstandskämpfer. Man könnte die Aufzählung fortsetzen.
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Uli Schneider hält die Laudatio. Er bestätigt in seinem ersten Teil die Wahrhaftigkeit der szenischen Darstellung. Klar steht es ihm qua Beruf und qua Funktion zu, sein Leben zu skizzieren. Da wurde deutlich, nach seiner Befreiung 1945 hat er sein gesamtes Leben – mit Haut und Haar, mit Herz und Verstand – in den Dienst der einen Sache gestellt, die Erfüllung des Schwurs von Buchenwald. Und da hatte er viel zu tun. Und wir auch noch! Wenn wir denn gelernt haben, was er uns gelehrt hat! So hatte er Funktionen im Kommunistischen Jugendverband FDJ, in seiner Partei, der KPD und der DKP. Er war maßgeblich mitbeteiligt an der Gründung deutscher und internationaler antifaschistischer Organisationen, angefangen bei der VVN, über die Lagergemeinschaft Buchenwald bis zur FIR, der internationalen Vereinigung der Widerstandskämpfer. Man könnte die Aufzählung fortsetzen.
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Er hat das, was er in der Illegalität, im Widerstand, im Zuchthaus und im KZ gelernt, besser, sich angeeignet hatte, zu seiner Profession gemacht, das Schreiben, den Journalismus. Zunächst bei der Frankfurter Rundschau, dann bei der Volksstimme, bei der Tat, der UZ. Zeitung machen reichte ihm nicht, die Liste der von ihm geschriebenen, herausgegebenen und mitverfassten Bücher ist lang. Nun war es nicht so, dass er sich hinter seinem Schreibtisch versteckt hätte. Aus jedem Gespräch gelang es ihm, ein Forum zu machen, jede Ansprache war Politprop im besten Sinne. Ob es der Hessische Landtag war, ein Kongress, Parteitag, eine Mitgliederversammlung, Demonstration, Kundgebung, Gedenkfeier, wenn er sprach war sein gesprochenes Wort druckreif und darüber hinaus fesselnd und überzeugend. Auch das hat er sich mehr angeeignet als dass er es hätte lernen können.
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Die Schule nach seinem Abitur war der Widerstand, die Illegalität, Zuchthaus und KZ. Nach der Befreiung blieb auch keine Zeit für (Aus-)Bildung im klassischen Sinne. Jede Aufgabe war eine Herausforderung, die ihm Neues lehrte. So kam es, dass er nach dem Verbot der KPD und seiner Emigration in die DDR dort seine Fähigkeiten, politisch wie beruflich am Mikrofon eines Rundfunksenders unter Beweis stellen konnte. Ab 1968 kam er wieder in seine Heimat, nach Frankfurt.e älter er wurde, umso mehr interessierte ihn die Jugend. Unermüdlich suchte er das Gespräch mit Schülern, Auszubildenden, Studenten, nicht nur mit ihm nahestehenden Jugendverbänden wie SDAJ oder MSB Spartakus. Nein, er ging in jede Schule, setzte sich in jede Schulklasse, die ihn einlud. Kein Jugendzentrum, Gewerkschaftsjugend, sozialdemokratische, liberale oder autonome Jugendverbände, war ihm zu schade, um mit ihnen zu diskutieren.
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Ich schweife ab. Uli Schneider trägt also seine Biographie vor. Und dann verlässt er seine Profession als Historiker und gerät ins Philosophische. Er sinniert, was und warum er uns etwas lehren konnte. Und landet bei Haltung, Vorbild und Moral. Das hätte ihm auch gefallen. Vielleicht hätte er angemerkt, „zu viel der Ehre, ich war ja nicht allein“. Auch das zeichnete ihn aus, dass er schon nach hinten und zur Seite schaute, um sicher zu gehen, dass sie ihm und vor allem der Sache folgten, dem antifaschistischen Kampf, dem Kampf gegen Lügen, Rassismus, (Neo-)Faschis- mus, gegen die Wurzeln des Faschismus, gegen die aggressivsten und skrupel- losesten Fraktionen des Kapitals, gegen Wiederbewaffnung und Remilitarisierung. Er war kein Pazifist, man sah ihn auf jedem Ostermarsch, jeder Demonstration der Friedensbewegung. Kurz und gut, Uli Schneider schafft es ihn gut zwanzig Minuten sein Leben und seine Haltung zu skizzieren. Und deutlich zu machen, dass wir hier nicht nur seinen 100. Geburtstag als Gedenken begehen, sondern als Auftrag.
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Bruni Freyeisen geht ans Mikrofon und verliest das Grußschreiben von Detlef Hensche. Was der ehemalige Vorsitzende in seinem Brief schreibt, ergänzt das vorher Gehörte um die Facette seines Wirkens in seiner Gewerkschaft, der Gewerkschaft Druck und Papier (später IG Medien und heute ver.di). Auch dort war er mit Leib und Seele dabei, eben Gewerkschafter. Das hat ihm Funktionen bis in den Bundesvorstand eingebracht. Und das sei an dieser Stelle angemerkt, keine seiner Funktionen hat er leicht genommen. Jede hat er ausgefüllt. Detlef Hensche beschreibt die Vielfalt und die Intensität seines Wirkens und seine Wirkung. Man hört die Dankbarkeit, die aus Detlef Hensches Zeilen sprechen. Das hat sie gut gemacht, die Bruni. Und er wäre dabei wahrscheinlich stumm geblieben, denn dieser Brief ist so nah dran an seinem Leben…
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Dann kommt die Gesprächsrunde. Auch hier wieder Menschen, die ihn kannten, respektierten, lernten und meinen, von ihm gelernt zu haben. Lena berichtet, was sie bewegt hat, in der Lagerarbeitsgemein- schaft Buchenwald-Dora e.V. aktiv zu werden; wie und warum die Lagerarbeitsgemeinschaft es geschafft hat, Generation jenseits der Zeitzeugen zur Mitarbeit und zur Fortführung der Erinnerungsarbeit zu gewinnen. Schließlich, welche Impulse es gab, die Initiative zu ergreifen, den Club zu gründen.
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Kata Rein erzählt, was er ihnen, der Initiative Klapperfeld, lehrte. Ihr Bedauern, ihn nur kurz erlebt haben zu können, kommt so tief aus dem Herzen, so überzeugend. Da höre ich mich sagen, „Mensch Emil, wieso bist Du nicht dabei?“. Hans-Christoph Stoodt, der Moderator, Initiator, Antreiber der Frankfurter Antifa kommt auf den Punkt, indem er feststellt, seine Konsequenz und Unerbittlichkeit, fehlen heute vielerorts, wenn es um antifaschistische Positionen geht.
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Navid Thürauf, Mitglieder der Autonomen Antifa in Hannover berichtet per Video-Clip, dass er immer ein verlässlicher, kritischer und solidarischer Lehrer und Wegbegleiter für sie gewesen sei. Eine kurze Szene aus einem Gespräch zwischen ihm und Navid per Clip zeigt auf, wie er einfühlsam und bestimmt mit dessen Gruppe umgegangen ist. Navids Grußwort, kurz, knapp und trocken „die Losung von Buchenwald, seine Losung, steht immer noch im Raum: die Vernichtung des Faschismus mit seinen Wurzeln, die Beendigung des elenden Kapitalismus ist unser Ziel, stehe ich nach wie vor zu…“ hätte ihm auch gefallen, da hätte er bestimmt angemerkt, „das geht aber nur gemeinsam, Freunde!“. Und das wäre nicht an Navid allein gerichtet gewesen, jeder hätte verstanden, das geht auch und gerade an uns.
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Schließlich treten Manfred Lemm und Fred Patzelt auf, mit jiddischen Liedern von Mordechaj Gebirtig, einem polnischen Musiker und Dichter, der 1942 im Ghetto Krakau auf offener Straße von einem deutschen Faschisten erschossen wurde. Sie können mit Gitarre, Klarinette und Gesang jüdische Lebensart, jüdische Kultur und jüdischen Witz vermitteln. „Goldstein kann nicht einschlafen. ‚Was ist, Goldstein, warum wälzt Du Dich im Bett?‘. ‚Ich muss Blau morgen früh 20.000 Mark geben, habe sie aber nicht!‘. Frau Goldstein öffnet das Schlafzimmerfenster und ruft, so laut sie kann ‚Blau, komm ans Fenster!‘. Blau stürzt ans Fenster. Sie: ‚Blau hör zu. Goldstein schuldet Dir 20.000 Mark. Er kann sie Dir aber morgen nicht zurückzahlen!‘. Ruft’s und schließt das Fenster. ‚So, jetzt wird Blau nicht schlafen können. Dreh Dich um und schlaf!‘“. Das kann ich wiedergeben, die Musik geht hier schlecht, mal hier reinschauen: http://www.mordechaj-gebirtig.de/ . Das hätte ihm gefallen, Musik mochte er und ich glaube, er kannte sich auch da aus!
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Zum Schluss sprach Lena. Eine Facette die den meisten Anwesenden kaum bekannt sein dürfte, sprach sie an. Vater und Opa. Nach dem Tode seiner Frau hat er seine Tochter alleine groß gezogen. Er hat seine Tochter in jeder Lebensphase unterstützt. Lena spricht von erlebter Größe ihres Großvaters. Sie spricht aber auch von ihm, der ihr "großartige Züge beim Mühlespielen“ und Ohrenwackeln gelehrt hat. (Lenas Epilog ist hier.) Bericht über die Veranstaltung der DKP zum Gedenken an Emil Carlebach am 17. Mai 2014 ...
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