Die “Kleinen Strolche” - immer wieder Neues
18. November 2014 | Linsengericht und andere Subventionen Als man die DDR-Bürger 1989 zum Ausverkauf des Sozialismus bewegte, musste man ihnen dafür schon ein bißchen mehr als ein Linsengericht anbieten. Die Beibehaltung des Rechtsabbiegerpfeils und des Ampelmännchens waren wohl ein bisschen dürftig, also legte man das Versprechen obendrauf, die komplette Versorgung mit Kindergarten- und Krippenplätzen aufrecht zu erhalten, die ein Kernstück der Sozialpolitik des sozialistischen Staates war. Heute feiern die stolzen Sieger der Geschichte den 25. Jahrestag des Mauerfalls. Der  25. Jahrestag des Versprechens von Kindergartenplätzen für alle lässt sich aber nicht so schön feiern, denn das ist noch immer nicht verwirklicht. Da man das Geld der Steuerzahler auf Bundesebene für die Umsetzung der neuen deutschen Großmachtträume in Afghanistan, Somalia und sonst wo braucht, bleibt für die Städte und Gemeinden wenig übrig.  Die tappen unweigerlich in die Schuldenfalle, wenn sie die flächendeckende Bereitstellung von Kindergartenplätzen verwirklichen wollen, die man ihnen aufgehalst hat, ohne ihnen dafür Geld zu geben. So auch Mörfelden-Walldorf. Da bleiben wenig Alternativen übrig: Die Stadt dreht auf der einen Seite dauernd an der Gebührenschraube, um die vom Gesetz verlangte Versorgung sicher zu stellen, und auf der anderen Seite schnappt sie nach jedem Rettungsring. Zum Beispiel in Gestalt kirchlicher und privater Anbieter, die sie mit Zuschüssen füttert, von denen sie hofft, sie seien letztlich geringer als die Kosten für einen eigenen städtischen Kindergarten. Das stellt sich jedoch oft als Trugschluß heraus, denn einige "private Anbieter" sind recht gewieft und leiern der Stadt gewaltige Subventionen aus dem Kreuz. Und nicht immer scheint es dabei mit rechten Dingen zuzugehen, schon gar, wenn Vorstandsmitglieder eines solchen Anbieters "zufällig" Stadtverordnete der SPD sind, und sein Bauleiter ebenso "zufällig" leitender Mitarbeiter des Bauamtes der Stadt, und der Anbieter bezeichnenderweise "Kleine Strolche" heißt. Man sagt ja: "Ein Schuft, wer böses dabei denkt".  Aber es muß erlaubt sein, nachzufragen, ob die städtischen Zuschüsse hier wirklich so gut angelegt waren, wie man uns glauben macht. Zumal dann, wenn der Spielplatz der Einrichtung noch immer nicht fertig gestellt ist, die Kinder stattdessen auf dem Parkplatz spielen müssen, und Eltern und Vereinsmitglieder die Langgasse und ihre Nebenstraßen zuparken. “Die Kleinen Strolche” oder Filz und Klüngel... Es soll ja Leute geben, denen Schulen und Kindergärten in unserer Stadt nicht fein genug sind. Die schicken ihre Kinder dann in teure Privateinrichtungen. Es geht aber auch billiger. In das alte Pfarrhaus in der Langgasse ist nach aufwendigem Um- und Anbau jetzt das „Familienzentrum Die Kleinen Strolche“ eingezogen, und es ist schon recht interessant,
wie sich das alles so zugetragen hat. Bauherr ist eine Bauherrengemeinschaft evangelische Kirchengemeinde und der „Kleinen Strolche“. Hier trafen sich die Interessen der evangelischen Kirche Mörfelden, die ein leerstehendes Pfarrhaus hatte, in das heutzutage kein Pfarrer mehr einziehen will, mit denen der Privat-Kindergärtner auf der Suche nach einem billigen Domizil. Die lokalen Christen machten der Landeskirche die Investition einer Stange Geld in die Liegenschaft schmackhaft. (Wie lang diese Stange ist, sollten brave Kirchensteuerzahler mal erfragen). Dem weltlichen Steuerzahler wurde gleich zweimal in die Tasche gegriffen: Die Stadt steuerte eine ebenfalls ziemlich lange Stange Geld bei. Eine gute Hälfte davon holte sie sich vom Land Hessen zurück. Sie verquickte den Privatkindergartenbau trickreich mit dem Landesprojekt „Aktive Kernbereiche“, indem sie eine vage definierte „Öffnung“ des Objektes zur Langgasse hin in die Planung schrieb. Um diese Zuschussquelle zum Sprudeln zu bringen, bedurfte das Projekt allerdings der Zustimmung der Stadtverordnetenversammlung. Aber nichts ist einfacher als das: Die Stellvertretende Vorsitzende des Familienzentrums „Die Kleinen Strolche“ e.V. ist Sabine Bishop-Klaus. Zufällig ist sie gleichzeitig SPD-Stadtverordnete. Bei der Beratung und Abstimmung über die Genehmigung des Vorhabens in der Stadtverordnetenversammlung und ihren Ausschüssen machte sie eifrig Reklame für ihren Privat-Kindergarten. Und sie nahm auch an den Abstimmungen teil – ein klarer Verstoß gegen Artikel 25 der Hessischen Gemeindeordnung (HGO). Ebenso zufällig ist der Bauverantwortliche der Kirchengemeinde, Herr Heinrich Dirks-Orendi, leitender Mitarbeiter im Bauamt der Stadt. Das erwies sich wahrscheinlich als sehr hilfreich, als es darum ging, die nötigen Baugenehmigungen zu besorgen, den Denkmalschutz fachgerecht zu „bearbeiten“ und die Nachbarn so lange wie möglich über den Umfang des Bauvorhabens im Unklaren zu halten ("Es wird nicht gebaut“, „es wird nur das Pfarrhaus umgebaut"; "es wird auf keinen Fall im Garten gebaut"  etc.) Der Beitrag des Vereins „Die Kleinen Strolche“ zu dem Gesamtprojekt war eher gering – er belief sich auf eine bescheidene 5-stellige Summe, noch nicht halb so viel, wie heutzutage ein sogenanntes „SUV“ kostet, wie die bevorzugten Gefährte einer gewissen Gesellschaftsschicht genannt werden. Der Steuer- und Kirchensteuerzahler wurde hingegen schon im guten 6-stelligen Bereich zur Kasse gebeten. Es gibt sicher eine feine, juristisch korrekte Bezeichnung für das, was hier vor sich gegangen ist. Der Volksmund macht sich das einfacher: Er nennt dies in Köln "Klüngel", in Bayern "Amigo- Filz“" und in Italien schlicht "Mafia". Einzig der evangelischen Kirche scheint es inzwischen ein wenig unwohl geworden zu sein.Ihre „Tageslosung“ zum 4.11.2013, dem Tag der großen Einweihung des öffentlich finanzierten Privatkindergartens, ist Jesaja 64,5: „Wir sind alle wie die Unreinen, und alle unsre Gerechtigkeit ist wie ein beflecktes Kleid“.
nach oben klickpunkt
unsere Partnerstädte
unsere Partnerstädte
die online-Begleitung des “blickpunkt”, Zeitung der DKP für Mörfelden-Walldorf